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21.11.2018, 09:11 Uhr | Cornelia Spitz, Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen
Mangin: Zukunftsprojekt oder Untergang?
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

Jetzt liegen sie auf dem Tisch: die Zahlen zur Wirtschaftlichkeit des Mangin-Projekts. Monatelang haben die Gemeinderäte auf die Aufstellung gewartet. Ob sie wirklich weiterhilft, ist dennoch fraglich. Die Stadtverwaltung hält für eine "dezidierte Wirtschaftlichkeitsberechnung" weitere Gutachten für notwendig.
 
Die Berechnung zeigt die Dimensionen des Zukunftsprojekts auf: Bis 2026 soll VS demnach 83,2 Millionen Euro für das Sanierungsgebiet aufgewendet haben, bei Einnahmen von 26,1 Millionen Euro bleiben unterm Strich 57,2 Millionen Euro. Klar ist: Ohne Fördergelder aus den Städtebauförderungsprogrammen des Bundes und des Landes kann VS die Maßnahme nicht schultern. Doch diese sollen auch reichlich fließen.
 
Zahlen von Bedeutung
 
Spätestens seit der künftige Oberbürgermeister Jürgen Roth erklärte, das Mangin-Projekt vorbehaltich seiner Wirtschaftlichkeit unterstützen zu wollen, war klar, welche Bedeutung der Wirtschaftlichkeitsberechnung beigemessen wird. Doch auch abgesehen von diesen Zahlen ist diese Quartiersentwicklung im Brühl die wohl bedeutendste Maßnahme für die Stadtentwicklung von Villingen-Schwenningen – sie sei, meint die Stadtverwaltung sogar, vergleichbar mit der Konversionsflächensanierung des Bahnareals in Schwenningen mit dem daraus resultierenden Landesgartenschaugelände oder der Entwicklung des neuen Klinikstandortes im Zentralbereich. "Die Konversionsflächensanierung" sei "nicht auf die Diskussion eines Verwaltungsstandortes zu reduzieren". Und doch würde sie für die Mitarbeiter der Verwaltung wohl die deutlichste Verbesserung mit sich bringen: Dass die Rathausarbeit auf 13 Standorte verteilt ist, die vielfach nicht einmal moderne Arbeitsbedingungen zulassen, führt zu Reibungsverlusten, unnötiger Mehrfachvorhaltung und hohen Kosten. Doch rechnet sich die Verwaltungszusammenführung angesichts des riesigen Projekts auf dem ehemaligen Kasernenareal Mangin am Ende überhaupt? Diese Frage sollte die Wirtschaftlichkeitsberechnung beantworten.
 
Vieles spricht dafür
 
Betrachtet man das Projekt rein von den Immobilienkaufpreisen und -erlösen her, ist die Antwort schnell gefunden. Für insgesamt etwa viereinhalb Millionen Euro könnte die Stadt die Gebäude auf dem Mangin-Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erwerben – Kosten für die Altlastensanierung sind bei dieser Summe schon abgezogen. Die künftigen Wohnbauflächen des Areals sollen an Dritte veräußert werden – 45 Prozent der Quartiersfläche sollen für den Bau von Wohnungen genutzt werden und somit Einnahmen in Höhe von 9,3 Millionen Euro bescheren.
 
Ebenfalls auf der Haben-Seite: Die Stadt würde mit der Realisierung beträchtliche Mietkosten sparen. In sieben Gebäuden bezahlt sie derzeit nämlich Miete für die Unterbringung ihrer Dienststellen. Dennoch verursacht auch der Umzug an sich erst einmal Kosten: Für rund 100 000 Euro, schätzt das Amt für Gebäudewirtschaft, müsse man die gemieteten Räumlichkeiten wieder rückbauen. Zudem müsse während des Umzugs von den alten in die neuen Standorte teilweise die technische Infrastruktur doppelt vorgehalten werden, um arbeitsfähig zu bleiben, und nicht zuletzt schlägt der Umzug an sich mit geschätzten 160 000 Euro in der Bilanz zu Buche.
 
Erste Einsparung minimal
 
In der Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Flöß vom Juli diesen Jahres ging man von Gesamtkosten der Sanierung des Mangin-Areals in Höhe von rund 41,5 Millionen Euro aus – die jährlichen Gesamtaufwendungen liegen demnach bei rund 2,95 Millionen Euro. In dem nun vorgelegten Zahlenwerk geht man bei weiterer Nutzung der Bestandsgebäude allerdings von lediglich rund 3,02 Millionen Euro aus. Nur rund 70 000 Euro günstiger wäre demnach die jährliche Gesamtaufwendung bei Realisierung der Pläne für das Mangin-Areal, wenngleich sich dieses Szenario lediglich auf die Belastung im jeweils ersten Jahr der beiden Varianten "Verbleib in den Bestandsgebäuden" oder "Realisierung des Mangin-Areals" bezieht.
 
Weitere Gutachten?
 
Lohnt sich das Zukunftsprojekt oder ist es vor finanziell unsicherer Zukunft eine Nummer zu groß? Laut Verwaltung ist die Umsetzung des Gesamtprojekts "letztlich eine politische Entscheidung". Obgleich man lange auf die Zahlen gewartet hat, kommt sie nun zu dem Schluss: "Um eine dezidierte Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellen zu können, wären mehrere Gutachten zu erstellen, für die Ermittlung der Erlöse der zu verkaufenden Gebäude sowie der Sanierungsaufwendungen für die Bestandsgebäude, die weiter genutzt werden sollen."
 
Klar sei, "dass sich die Bündelung der Verwaltung rechnet", zumal die erheblichen organisatorischen Verbesserungen noch nicht einkalkuliert worden seien. "Letztlich bleibt die Frage, ob die Stadt die Chance zur grundlegenden Weiterentwicklung ihrer Verwaltung nutzt oder nicht."

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