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23.11.2018, 07:57 Uhr | Cornelia Spitz, Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen
Geldquelle Wald droht zu versiegen
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

Er gilt als grünes Gold einer Stadt und ließ auch in Villingen-Schwenningen die Einnahmen bislang sprudeln. Doch mit einem Mal scheint die Geldquelle Wald zu versiegen.
 
Das grüne Kapital des Oberzentrums schien eine sichere Bank zu sein. Jährlich freute man sich bei der Stadtverwaltung über satte Gewinne.
 
Rund 5900 Hektar Stadtwald, darüber hinaus betreut VS noch 1800 Hektar Privatwald, eine Waldfläche in VS, die mit 7600 Hektar insgesamt fast so groß ist wie 10.000 Fußballfelder – der Forst ist eine feste Größe im Oberzentrum. Vornehmlich Fichten, aber auch Tannen, Kiefern und Buchen wachsen hier beispielsweise. Und die Holzvorräte wuchsen und wuchsen und wuchsen: Laut Stadtverwaltung sind sie in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen. Habe der Vorrat je Hektar zum Beginn des 19. Jahrhunderts noch bei 221 Festmetern gelegen, blicke man heute stolz auf über 500 Vorratsfestmeter. Ein historischer Höchststand. Jährlich, schätzt man, kommen etwa 13,7 Festmeter pro Hektar dazu.
 
55.000 Festmeter Holz werden jedes Jahr planmäßig in VS geschlagen. Doch die riesige Waldfläche sichert durch stetiges Nachwachsen den Bestand.
 
Schwer vorstellbar also, dass für das kommende Haushaltsjahr gerade einmal eine schwarze Null bei den Einnahmen aus dem Forstbetrieb verzeichnet werden soll, wie Oberbürgermeister Rupert Kubon es nun prophezeite.
 
Auch wenn die Einnahmen aus dem Forst gemessen am Gesamthaushaltsvolumen der Doppelstadt gering seien, macht der Rückgang dem Oberbürgermeister doch ganz schön zu schaffen. Die Entwicklung sei "bedauerlich", so Kubon am Mittwoch bei der Vorstellung des Haushaltsplanentwurfs für das kommende Jahr. Lediglich eine schwarze Null solle für 2019 noch drin sein.
 
Die Fachleute bei der Stadtverwaltung gehen davon aus, dass der Klimawandel schuld ist. Die erhebliche Trockenheit in Europa habe zu einem verstärkten Schädlingsbefall geführt. Hinzu kommen mehrere Stürme in diesem Jahr, in deren Folge der Holzmarkt mit Sturmholz überschwemmt worden sei, was schließlich die Preise stark purzeln ließ – der Preisverfall sei auch jetzt noch nicht ausgestanden, vermutet man. Dabei schwankt der Marktwert ohnehin schon stark – zwischen 30 und 125 Euro kann der Festmeter wert sein, je nach Sortiment und Qualität.
 
Wie ein Unglücksjahr
 
Das Jahr 2018 liest sich im Forstbericht wie der Bericht über ein Unglücksjahr: Anfang Januar zog Burglind über Mitteleuropa – sie soll der drittgrößte Orkan seit Lothar im Jahr 1999 gewesen sein. "In der Summe entstanden mehrere Millionen Festmeter Sturmholz", die versicherten Sachschäden belaufen sich laut Forstamt auf mehr als drei Milliarden Euro. Im Frühjahr und Ende September gab es erneut Stürme, die zusätzliches Sturmholz auf den Markt warfen. Und dann kamen die Käfer.
 
Auch VS kam nicht ungeschoren davon in diesem stürmischen und käferreichen Jahr, die traurige Bilanz: Rund 13.000 Festmeter Sturmholz und 7000 Festmeter Käferholz. Buche, Weißtanne und Kiefer litten zudem unter der Dürre, die Esche unter einem aus Asien eingeschleppten Pilz.

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