Neuigkeiten

25.07.2019, 07:56 Uhr | Cornelia Spitz, Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen
Kein Bezug des GaD vor Sommer 2020?
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

Alles gesagt war rund um die Kostensteigerungen bei der Sanierung des Gymnasiums am Deutenberg offenbar noch nicht. Im Gemeinderat am Mittwoch meldeten sich die Architekten zu Wort. Unterm Strich stand eine schlechte Nachricht: Vor Sommer 2020, im günstigsten Fall, wird das GaD nicht bezugsfertig sein.

Immer wieder neue, höhere Kostenberechnungen der Architekten und Schätzungen der Stadt, wonach auch das dann vorgeschlagene Budget nicht ausreichen würde… Die Sanierung des Gymnasiums am Deutenberg ist längst zum kommunalpolitischen Ärgernis avanciert. Bei 31,5 Millionen Euro, so Amtsleiter Dieter Kleinhans von der Stadt, stehe das Projekt nun insgesamt. "Nun stehen wir da und ich muss sie nochmal um Geld bitten", resümierte er vor dem Gemeinderat, während dem Gremium der Groll auf die Architekten anzumerken war.
 
Matthias Hotz: "Wenn Sie das nicht machen, ist das in Ordnung, aber dann sind wir nicht verantwortlich!"
 
Eine ausführliche Stellungnahme hatten Matthias Hotz und Architekt Michael Eichmann vom zuständigen Planungsbüro Hotz und Architekten in Freiburg vorbereitet. Hotz fackelte nicht lange und brachte auf den Punkt, was sich in Villingen-Schwenningen breit gemacht hat angesichts der zahlreichen Kostensteigerungen: "Unmut". Wie erheblich der ist, wurde bereits vielfach deutlich. So angespannt wie nun aber war die Gemütslage der Stadträte in Sachen GaD noch nie, und das, obwohl die Sanierung, wie Matthias Hotz verdeutlichte, nun ins sechste Jahr geht. "Über diesen langen Zeitraum gab es auch bei uns Fehler", räumte er ein und entschuldigte sich "ausdrücklich" für "die mangelnde Kommunikation zwischen unserem Büro und Ihrer Stadt".
 
Passiert seien Fehler beispielsweise bei der Überprüfung von Abrechnungsergebnissen und bei der Dokumentation von Rechnungen. Auf die Baukosten aber habe das keine Auswirkungen gehabt. "Nachlässigkeiten bei unserer Werkplanung und unseren Aufstellungen zu den Leistungsverzeichnissen gab es nicht", stellte Hotz klar.
 
Explodierte Preise im Baugewerbe seien ein Grund für die Kostensteigerungen. Die Auftragsbücher der Firmen seien voll, nur wenige oder auch gar keine geben Angebote ab, "schon gar nicht bei Sanierungen", denn Neubauten seien viel lukrativer und einfacher abzuwickeln.
 
Manche Mehrkosten beruhten auch auf bis dato unbekannten Altlasten – der Terminplan gerate durcheinander. Im Vorfeld habe das Büro jedoch "immer wieder auf umfassende notwendige Bauteilerkundungen und Bauteilöffnungen hingewiesen, die von der Stadt leider so nicht beauftragt wurden", so Hotz – manche Überraschung hätte sich damit vermeiden lassen. Gerade mit der ersten Grundlagenerkundung sei das Büro nicht beauftragt worden – und die sei immens wichtig. Die Stadt aber habe das selbst übernehmen wollen. "Wenn Sie das nicht machen, ist das in Ordnung, aber dann sind wir nicht verantwortlich!", so sein Vorwurf in Richtung Stadt VS. Immer wieder gestalteten sich auch die Verhandlungen mit den Vertretern verschiedener Gewerke, aktuell etwa dem Trockenbauer, enorm schwierig – man schaffe es seit zwei Monaten beispielsweise nicht, mit der Firma verbindliche Fristen zu vereinbaren, trotz drohenden Rechtsstreits, schilderte Architekt Michael Eichmann. Der Unternehmer habe sich geweigert, "für dieses Bauvorhaben" verbindliche Fristen zu nennen. "Die geplanten Termine sind unter diesen Bedingungen nicht haltbar."
 
Oberbürgermeister Jürgen Roth stellte sich sehr ausdrücklich vor seine "höchst professionelle" Stadtverwaltung und musste ansonsten schlucken: "Ich möchte meiner emotionalen Unausgeglichenheit nicht wirklich Ausdruck verleihen in einer öffentlichen Sitzung", so Roth. Nur soviel: Würde das bei einem privaten Vorhaben passieren, "würde man ihn in den Ruin treiben!"
 
Ulrike Salat: "Die sitzen da wie begossene Pudel."
 
Die Stadträte jedoch gingen mit Matthias Hotz und seinen Kollegen hart ins Gericht, und das nicht nur fachlich. Veronique Ballof (CDU) fühlte sich von den Architekten vor allem auch als Mutter einer Gymnasiastin des GaD schlichtweg "verar….", Matthias Hoppe (Freie Wähler) sprach von "brutalem Murks". Trotzdem bewegten sich die Auftritte der Architekten, so Klaus Martin (CDU) "zwischen Gleichgültigkeit und Arroganz". Obwohl diese Maßnahme "alternativlos" sei und vieles bereits gesagt sei, wolle er noch einmal auf einige Punkte eingehen. Er zeigte Martin die "Kostenrallye" von anfangs um die zwölf Millionen bis über 24 Millionen Euro auf, den "Verzicht" auf einen Kostendeckel, unliebsame Überraschungen wie die Denkmalschutz-Komponente und den erst spät ins Gespräch gebrachten Erweiterungsbau. Künftig, so Martin, fordere die CDU einen Sachstandsbericht zum GaD in jeder Gemeinderatssitzung und er appellierte an die Architekten und Fach-Ingenieure, alles daran zu setzen, "dieses Projekt ohne weitere Mehrkosten dieses Jahr fertigzustellen".
 
Bernd Lohmiller (SPD) glaubte schon nicht mehr daran. Und all das, so Lohmiller, sei nicht dem Gremium, sondern dem Architektenbüro anzulasten. Eindrucksvoll schilderte er den katastrophalen Eindruck, den er auf der Baustelle vor Ort gewinnen musste. "Des Pudels Kern" aber seien hier Altlasten und Schadstoffe – ein entsprechendes Schadstoff-Screening jedoch habe das Büro nicht verlangt, Fazit: "Sie hätten den Auftrag so nicht annehmen dürfen!" Nun verlange die SPD, dass sich das Büro mit aller Kraft für eine zeitnahe Fertigstellung einsetze.
 
Ulrike Salat von den Grünen zeigte Empathie für die Vertreter des Architektenbüros, "die sitzen da wie begossene Pudel". Dieses Bauprojekt sei offenbar schief gelaufen. Sie appellierte an die Gemeinderäte, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen, nach vorne zu schauen – "wir können nur gemeinsam, gegeneinander geht es nicht!"
 
"Durch diese Kostensteigerungen erhalten wir kein zusätzliches Honorar."
 
"Frust und Ohnmacht" spürte stattdessen Frank Bonath von der FDP im Gremium, auch er habe im Gegensatz zu manch altem Hasen nicht für möglich gehalten, dass das Bauprojekt kostenmäßig so aus dem Ruder laufe. Nun müsse man daraus für die Zukunft lernen. Am zermürbendsten sei aktuell vor allem der Zeitplan. Auch Bürgermeister Detlev Bührer stieß in dieses Horn – einen Zeitplan, dem müssten die Architekten nun liefern. Aber auch er bekam ihn nicht. Hotz beteuerte, keinen aktualisierten Zeitplan liefern zu können. Laut Michael Eichmann müsste man, sofern eine neue Trockenbaufirma gefunden ist, ab deren Beginn auf der Baustelle zwei bis drei Monate Trockenbau einkalkulieren und danach noch zwei bis drei Monate für die übrigen Gewerke. Roths Berechnung ergab eine bemerkenswert düstere Prognose: Im günstigsten Fall könne man dann wohl im Sommer 2020, eventuell aber auch erst im Herbst 2020 das sanierte GaD in Betrieb nehmen.
 
Andreas Flöß (Freie Wähler) versuchte, sich Salats Worte zu eigen zu machen. "Wir brauchen Sie", versuchte er, Matthias Hotz zu motivieren und wollte ihn bei seiner "Architektenehre packen": "Wir erwarten schon von Ihnen, dass Sie dieses Projekt jetzt zur Chefsache machen", um weitere permanente Mehrkosten und Verzögerungen zu verhindern.
 
Das beste Bemühen wurde den Gemeinderäten durch Matthias Hotz zwar versichert, eine Garantie aber wollte und konnte er auch hier nicht geben: "Auch hier gibt es keine absolute, 100-prozentige Gewissheit und damit auch keine Garantie", so Hotz und, "damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Durch diese Kostensteigerung erhalten wir als Architekten kein zusätzliches Honorar. Für uns bedeutet dies ausschließlich mehr Arbeit."

Diese Seite in einem sozialen Netzwerk veröffentlichen:

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Yahoo! Bookmarks
  • Windows Live
  • Yigg
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon