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10.08.2019, 15:00 Uhr | Birgit Heinig, Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen
Der einzige seiner Art
"Wir machen die Liste voll – und wenn ich selber drauf muss" – Wolfgang Zimmermann macht kein Hehl aus seiner Motivation, für den Gemeinderat kandidiert zu haben. Jetzt ist er froh, als Einziger im neugewählten Gremium, die Interessen der Landwirtschaft vertreten zu dürfen.
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

Der Landwirt aus Obereschach tut das künftig auch im Umlegungsausschuss und im Abwasserzweckverband Oberer Neckar für die Fraktion der CDU. Als ehemals aktiver Fußballer des SV Obereschach, ein Verein, der mit immenser Eigenleistung ein neues Vereinsheim errichtete und zuletzt einen Kunstrasenplatz anlegte, wird der 63-Jährige zudem Mitglied des Sportbeirates sein.
 
"Früher kamen die Viehhändler auf den Hof und man einigte sich auf einen Preis."
 
Wolfgang Zimmermann ist seit 25 Jahren Ortschaftsrat seiner Heimatgemeinde, in der schon sein Großvater einen landwirtschaftlichen Betrieb führte. Damals stand er noch innerorts. 1970 errichtete sein Vater einen Aussiedlerhof an der Stumpenstraße, in dem Wolfgang Zimmermann, seine Frau Hildegard und sein jüngster Sohn Michael – eines von drei Kindern – heute 140 Hektar Ackerbau und Grünland sowie 72 Milchkühe, Nachzucht und Mast bewirtschaften.
 
Als er vor 35 Jahren den väterlichen Hof übernahm, war der nur halb so groß. Dass der Zweitälteste von vier Söhnen in die Fußstapfen des Vaters treten und die Landwirtschaft weiterführen würde, stand schon früh fest. Auf eine andere Idee sei er damals gar nicht gekommen, sagt Wolfgang Zimmermann lächelnd. Nach dem Besuch der Hauptschule absolvierte er bei seinem Vater die dreijährige Lehre zum Landwirt und fügte drei Winter- und ein Sommersemester zum staatlich geprüften Wirtschafter des Landbaues an. Mit 26 Jahren erwarb er den Meistertitel. Nachdem er eine Schweizerin geheiratet hatte, übernahm er 1990 den Hof und damit auch die in der Branche leider üblichen Sorgen um das Auskommen.
 
Milch- und Fleischpreise sanken ein ums andere Mal in den Keller und sind auch heute mit 34 Cent pro Liter Milch und bis drei Euro pro Kilogramm Fleisch nicht berauschend. "Früher kamen die Viehhändler auf den Hof und man einigte sich auf einen Preis", erinnert sich Zimmermann an die Geschäfte, wie sein Vater sie noch betrieb. Heute bekommen die Erzeuger die Preise diktiert. Er reagierte darauf mit dem Bau einer Biogasanlage, dem Einsatz von Photovoltaik zur eigenen Stromproduktion und 2013 der Aufrüstung zu einem vollautomatischen Viehstall und lebt seither in der Gewissheit, dass der Betrieb so auch für die nächste Generation gesichert ist. Trotzdem ärgert es ihn, dass die Politik die Anlage von Großställen mit Subventionen fördert und kleinere Betriebe benachteiligt.
 
Trotz aller Erfahrung – jetzt gilt es erst einmal "viel zu lernen"
 
Obwohl für die Zimmermanns jeder Tag um sechs Uhr morgens beginnt und der Urlaub sich auf drei Tage im Jahr bei Freunden in der VS-Partnerstadt Savona begrenzt, hat er Kapazitäten für den Winterdienst in Obereschach. Den erledigt er mit seinem Trecker seit 30 Jahren, auch wenn der Wecker dafür im Winter dann schon um drei Uhr in der Frühe klingelt.
Das Mitwirken und Mitgestalten liegt ihm im Blut und macht ihm Spaß. So ist "der Vereinsmensch", wie er sich selbst nennt, nicht nur in fast allen örtlichen Vereinen Mitglied, sondern seit vielen Jahren auch stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Albert-Schweitzer-Schulen, der Gewerbeschule unter anderem für angehende Landwirte. Fünf Jahre lang leitete er als Abteilungskommandant außerdem die Freiwillige Feuerwehr Obereschach. Im Ortschaftsrat gilt er als zupackender Praktiker, der kurzerhand schon mal selbst einen Weg frisch schottert. Auch im Gemeinderat will er seine pragmatische Art einbringen.
 
Zunächst aber heiße es bei aller Erfahrung, die den Älteren gerne zugeschrieben werde, "viel zu lernen", weiß Wolfgang Zimmermann. Gerade sei er dabei, hinter die immense Kostensteigerung bei der Sanierung des Deutenberg-Gymnasiums zu blicken. Respekt habe er, so sagt er, vor den Millionenbeträgen, für die er jetzt mitverantwortlich sei. Obgleich er mit einer Wahl nicht wirklich rechnete, besprach er seine Kandidatur freilich mit seiner Familie. Schließlich wird in einem landwirtschaftlichen Betrieb jeden Tag jede Arbeitskraft gebraucht, eigentlich auch an Sitzungstagen.
 
Seine Frau und sein Sohn gaben trotzdem grünes Licht und sagten ihm ihre Unterstützung zu. "Trotz zahlreicher Verpflichtungen werde ich alles daran setzen, bei den Gemeinderats-, Ausschuss- sowie Fraktionssitzungen anwesend zu sein", verspricht Zimmermann. Denn er ist beides mit Leidenschaft und Herzblut: Landwirt und einer, der sich im Ehrenamt für das Gemeinwohl engagiert.

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