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22.11.2019, 09:10 Uhr | Marc Eich, Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen
Konzentration im Light-Modus
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

Eine deutlich geringere Darlehenssumme und insbesondere eine Stärkung der beiden Innenstädte: Die neue Variante für eine abgespeckte Verwaltungszusammenführung auf dem Mangin-Areal soll für einen Durchbruch bei den Diskussionen sorgen.
Um 7.23 Uhr am Donnerstag wendet sich Oberbürgermeister Jürgen Roth auf Facebook an die Bürger, um anzukündigen, dass die mit Spannung erwartet neue Variante zur Neugestaltung der Verwaltung nun öffentlich einsehbar ist. Roth macht deutlich: "Eine Lösung ›konzentriert in VS-Villingen‹ halte ich für keine gute Idee." Vielmehr soll Schwenningen seine Ämter behalten, um den dortigen Handelsstandort nicht weiter zu schwächen. Auch soll die Lösung die Stadt "nicht finanziell an den Rand der Belastbarkeit" bringen. Doch wie soll das klappen? Eine 15-seitige Vorlage für den Gemeinderat, der am 27. November eine Sondersitzung zu dem Thema abhält, soll Licht ins Dunkel bringen.
 
Alte Variante
 
Zuletzt im Juli 2018 hatte sich der Gemeinderat für eine weitgehende Zentralisierung in den beiden Kompaniegebäuden auf dem Mangin-Areal ausgesprochen. Im gleichen Zuge sollte das Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport (JuBIS) im Rathaus Schwenningen unterkommen, während das Bürgeramt im Villinger Rathaus sowie in der Rietstraße 8 verlagert werden sollte.
 
Vorgesehen war darüber hinaus ein Neubau des Stadtarchivs, einer Kantine, eines Ratsaals sowie eines Parkgeschosses zwischen den beiden Kompaniegebäuden. Die Bürgerservice-Zentren, das Forstamt sowie das Kulturamt sollten an ihren bisherigen Standorten bleiben. Zusammen mit dem Neubau des Archivs wurden insgesamt 49,8 Millionen Euro veranschlagt. Als Schwäche habe sich laut Verwaltung hierbei unter anderem herausgestellt, dass das Bürgeramt in der Rietstraße mit dem Auto nur schlecht zu erreichen und nicht barrierefrei sei und das JuBIS mit Platzproblemen zu kämpfen hätte.
 
Neue Variante
 
Die nun vorgestellte Variante sieht weiterhin vor, dass die beiden Kompaniegebäude durch die Verwaltung genutzt werden, allerdings solle ein Neubau dazwischen nicht mehr realisiert werden. Geplant sei es, das Liegenschaftsamt und die technischen Dienststellen, einschließlich des Ersten Bürgermeisters, im Schwenninger Rathaus sowie in der Winkelstraße zu belassen.
 
In den Kompaniegebäuden soll stattdessen das Stadtarchiv, Bürgeramt (mit Ausnahme der Bürgerservice-Zentren), Rechtsamt, Amt für Innenrevision, Stabstelle für Digitalisierung und Projektmanagement, Personalrat sowie die Telefonzentrale untergebracht werden. Hierdurch könne auch auf einige Mietobjekte verzichtet werden. Die übrigen Ämter in der historischen Innenstadt von Villingen, das Forstamt und das Kulturamt sollen so bestehen bleiben wie bisher. Klar ist außerdem: Ein Großteil des Mangin-Areals soll weiterhin für den Wohnbau genutzt werden.
Kosten
 
Die neue Variante würde insbesondere die Investitionskosten auf dem Mangin-Areal drastisch drücken. Statt 49,8 Millionen Euro werden nur noch rund 34 Millionen Euro benötigt. Das liegt nicht nur am fehlenden Neubau, sondern ebenso daran, dass "statt kostenintensiven Umbauten für moderne Büroräume verschiedener Fachämter mit dem Archiv eine Nutzung in den bestehenden Kompaniegebäuden integriert werden soll, die überwiegend Lagerräume und weniger Büroräume beinhaltet".
 
Allerdings fallen die Verkaufserlöse um rund zwei Millionen Euro geringer aus, da die Verwaltungsgebäude in der Oberen Straße (unter anderem Kämmerei) und in der Justinus-Kern-Straße (JuBIS) in Besitz der Stadt bleiben sollen. Summa summarum würde die Stadt dennoch 13 Millionen Euro an Darlehenssumme für die Investition auf dem Mangin-Areal sparen.
 
Bei den finanziellen Aufwendungen pro Jahr für die Verwaltung unterscheiden sich die Varianten lediglich um 43 000 Euro – um diese Summe ist der neue Vorschlag günstiger. Gerechnet werden hier unter anderem die jährlichen Sanierungs-, Unterhalts- sowie Bewirtschaftungskosten aller Verwaltungsgebäude sowie die Mietkosten von fremden Räumen, die bei einer Zusammenlegung jedoch größtenteils entfallen sollen.
 
Vor- und Nachteile
 
Die Verwaltung sieht aufgrund der niedrigeren Investitionskosten auf dem Mangin-Areal einen "größeren finanziellen Spielraum", der für andere dringende Investitionen im Bildungsbereich genutzt werden könnte.
 
Darüber hinaus würde das Gleichgewicht der großen Stadtbezirke durch die Teilbündelung gestärkt – eine Konzentration in Villingen würde "die Bemühungen des Zusammenwachsens der vergangenen 40 Jahre konterkarieren". Verhindert werden solle auf diesem Weg auch, dass durch den Abzug der Stadtverwaltung der "Niedergang der Einkaufsinnenstadt Schwenningen" gefördert wird. So würden Mitarbeiter und Besucher dort für gewisse Kundenströme sorgen. Nachteil seien hingegen unter anderem die geringeren Synergieeffekte sowie höhere Bewirtschaftungs- und Unterhaltungskosten aufgrund zahlreicher Gebäude.
 
Verhandlungen BimA
 
Die Informationsvorlage für den Gemeinderat macht ebenso deutlich, dass zwischen dem Eigentümer des Areals – die Bundesanstalt für Immobilianaufgaben – und der Stadt noch einige Verhandlungen notwendig sind. Hinsichtlich des Kaufpreises sei man sich bislang noch nicht einig. Derzeit rechnet die Verwaltung mit einem Kaufpreis von 7,5 Millionen Euro. Die Stadt würde aber insgesamt von Verbilligungen für den sozialen Wohnungsbau sowie den Gemeinbedarf profitieren und hofft darüber hinaus auf Förderungen in Höhe von über 16 Millionen Euro durch die Städtebauförderung.
 
Chronik der Verwaltungsneuordnung
 
 2012 kommt die Machbarkeitsstudie "Verwaltung unter einem Dach" der Kommunalentwicklung GmbH zu dem eindeutigen Ergebnis, dass aufgrund der Wirtschaftlichkeit der Neubau eines Verwaltungskomplexes für die gesamte Verwaltung umgesetzt werden müsste.
 
 2012 wird diese "wirtschaftlichste Lösung" mit deutlichem Votum von den Bürgern mehrheitlich abgelehnt und nicht weiter verfolgt.
 
 2016 legte der Gemeinderat der Stadt VS im Rahmen eines Gesamtkonzeptes für das Mangin-Gelände (Rahmenplanung Mangin) fest, dass Teile des Areals – insbesondere die bestehenden Kompaniegebäude 038 und 057 – für die Bündelung von Teilen der Verwaltung bereitgestellt werden. Nachdem ein Neubau für die Gesamtverwaltung 2012 in einem Bürgerentscheid deutlich abgelehnt wurde, fand diese Variante der Verwaltungsbündelung auf dem Mangin-Gelände eine große Mehrheit im Gemeinderat

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