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04.12.2019, 08:01 Uhr | Eva-Maria Huber, Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen
Woher kommen Keime in Trinkwasser?
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

Das Rätselraten geht 2020 weiter: Wie kamen die coliformen Keime mehrfach ins Netz der Stadtwerke? SVS-Chef Ulrich Köngeter startet einen letzten Versuch zur Ursachenforschung. Verläuft die Spurensuche erneut im Sand, gerät die Dauer-Chlorung in den Sucher.
Die Jahre 2017, 2018, 2019 werden Stadtwerke-Chef Köngeter auch über den Jahreswechsel beschäftigen: In drei aufeinanderfolgenden Jahren wurde in verschiedenen Bereichen des Netzes ein erhöhtes Aufkommen von Keimen gemessen: Der Grenzwert für coliforme Bakterien wird überschritten. Anders als in den Vorjahren ist Schwenningen 2019 nicht betroffen, sondern verstärkt der Zentralbereich und zudem die kleinen Stadtbezirke Weilersbach, Obereschach, Nordstetten sowie die Gemeinde Dauchingen. Parallel zum Abkochgebot haben die Stadtwerke Villingen-Schwenningen umgehend damit begonnen, das Wasser zu chloren.
 
Kaum Wasserverlust
 
Doch nach wie vor steht die Frage im Raum: Wie gerieten die Keime ins Netz? Aus dieser Rätsel-Spirale will Köngeter endlich heraus und hofft, die Ursachenforschung im nächsten Jahr endgültig abschließen zu können. Denn nach wie vor tappen die Analytiker in Dunkelheit: Das Aufkommen der Keime deute generell darauf hin, dass sich der "Keimherd irgendwo im Netz befindet". Lecks im Rohrnetz könne er ausschließen und unterfüttert diese Aussage mit Zahlen: Vor zehn bis 15 Jahren habe man einen Wasserverlust durch lecke Stellen von bis zu 20 Prozent gehabt, nun liege dieser bei maximal sechs Prozent. "Das ist eine supergute Quote."
 
Keine illegalen Abzapfer
 
An der Netzpflege könne es auch nicht liegen: Permanent werden Wasserleitungen ausgetauscht. Zudem sei für die Wasserversorger vorgeschrieben, wie das "Netz zu warten ist; wir sind da auf einem guten Stand". Könnten Keime ins Netz gelangt sein, weil irgendwer illegal Wasser abzapft? Diese Variante schließt Köngeter nach Prüfungen aus. Wenn, dann würden die Keime stets an der gleichen Stelle auftreten. 2020 könnte das Jahr einer Zäsur werden. Die Stadtwerke-Führung plant im Frühling, sobald die Nächte der Bodenfröste vorbei sind, eine groß angelegte wie aufwendige Maßnahme, die sich über Wochen hinziehe. Ulrich Köngeter kündigte auf Anfrage des Schwarzwälder Boten an, dass zumindest in den betroffenen Stadtbereichen Sedimente, also Ablagerungen im Rohrnetz, ausgespült werden sollen, um "weitere Ursachenforschung zu betreiben". Denn nach der Auswertung und Bewertung aller Vorgänge in den letzten drei Jahren kommen die Experten zu dem Schluss, dass der Grund für das Auftreten der Keime in diversen Ablagerungen liegen könnte. Bislang eine reine Vermutung, für die aber einiges spreche.
 
Mit dem Ende der Durchspülungsmaßnahmen in Teilen des Netzes, dem Messen an insgesamt 18 Prüfstellen und der sich anschließenden Auswertung der Wasserproben dürfte dann eine ganz andere Frage in die Chefetagen der Stadtwerke und damit auch des Gesundheitsamtes Schwarzwald-Baar gespült werden: Will man sich dauerhaft auf einen möglichen Kreislauf von Chlorung und Abkochgebot einlassen, gesetzt die Probenauswertung erbringt keine neuen Erkenntnisse? Oder sollen sich SVS und Gesundheitsamt mit der Alternative einer dauerhaften Chlorung beschäftigen?
 
Versorgung verpflichtet
 
Falls die Ursachenforschung nicht abzuschließen sei, "werden wir sicherlich in eine Pro-und Contradiskussion eintreten", schätzt Köngeter, und dies "wird weder für uns noch für unsere Kunden lustig". Immerhin weiß sich die SVS-Spitze in bester Gesellschaft, was das Aufkommen von Keimen angeht: "Dieses Problem haben nicht nur wir." Andere Kommunen gehen beim Thema Dauer-Chlorung ebenso in die Offensive. Dennoch: Für Deutschlands Trinkwasserlieferanten gelte ein Minimierungsgebot in Bezug auf Chlorung und die Verpflichtung, "naturbelassenes Wasser abzugeben". Wie wenig erfreut die Kunden über die Entwicklungen in ihrem insgesamt knapp 390 Kilometer langen Wassernetz sind, das bekommen die SVS--Oberen genug zu spüren. Andere bemängeln: Wieso rücken die SVS nicht mit den Informationen heraus, die das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe in Zusammenhang mit dem Auftreten der Keime zusammengetragen habe? Den Vorwurf mangelnder Transparenz lässt Köngeter nicht auf sich sitzen und verweist auf die Internetseite der SVS: Grundsätzlich könnten Verbraucher alle gemessenen Werte nachlesen. Doch haben Kunden nicht ein Recht darauf, auch über die TZW-Expertise etwas zu erfahren? "Nein, das ist ein internes Arbeitspapier und das bleibt hier bei mir", so Köngeter unmissverständlich.
 
Transparenz reicht aus"
 
Was die Stadtwerke an Öffentlichkeitsarbeit leisten, "das reicht völig aus". Was die sich anbahnenden Untersuchungen im Frühling anbelangt, verspricht der SVS-Chef Transparenz. Auch diese Ergebnisses werden veröffentlicht.

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