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02.07.2020, 09:23 Uhr | Michael Pohl, Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen
Eigene Zufahrt ist nicht unmöglich
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

Bekommt das vorgesehene Neubaugebiet "Strangen II" möglicherweise doch eine eigene Zufahrt vom Nordring? Das jedenfalls ist der Wunsch von rund 200 Anwohnern des bestehenden Wohngebietes. In einer Infoveranstaltung wurden erste Entwürfe vorgestellt.
Das Wohngebiet "Strangen I" besticht seit Jahren durch seine ruhige Lage, verkehrsberuhigte Straßen und kinderfreundlichen Bedingungen – so argumentieren zumindest Anwohner. Und genau dieses Idyll sehen rund 200 Betroffene, die eine Petition unterschrieben haben, nun durch ein geplantes Neubaugebiet in Gefahr. Denn, so sehen erste Planungen aus, die Zufahrt zum Erweiterungsgebiet "Strangen II" soll über das Bestandsgebiet erfolgen (wir berichteten).
 
Am Mittwochabend hatte Bürgermeister Detlev Bührer deshalb zu einer Bürger- und Anwohnerinformationsveranstaltung in die Neckarhalle eingeladen. Dort versammelten sich gut 60 Betroffene, die ganz exklusiv und noch vor den städtischen Gremien einen Blick auf den ersten Entwurf des Neubaugebietes werfen durften. Der derzeitige Entwurf sieht die Erschließung von "Strangen II" über die Cannstatter Straße und die Besigheimer Straße vor, wie Stadtplaner Ralf Woyzella präsentierte. Im Gebiet selbst seien nach jetzigem Stand 21 Reihen- und 26 Einfamilienhäuser vorgesehen, die über ein Ringstraßensystem, wie es in "Strangen I" angelegt ist, erreichbar sein werden. "Wir sind noch sehr früh in der Planung. Es wird hier sicherlich noch Verschiebungen geben", betonte Woyzella.
 
Das Verkehrsaufkommen, aber auch der mutmaßlich steigende Lärmpegel durch mehr Fahrzeuge bereitet den Anwohnern Sorge, weshalb sie eine separate Erschließung direkt über den Nordring fordern. Uwe Frost von der Bernard-Gruppe, der eine Verkehrszählung und auch ein Lärmgutachten erstellt hat, erläuterte: "Die Verkehrsmessung hat ergeben, dass von Montag bis Freitag rund 1850 Fahrzeuge innerhalb 24 Stunden in der Hans-Kohler-Straße erfasst wurden. Das bedeutet, dass circa 900 Fahrten rein, und 900 Fahrten raus erfolgt sind." Am Wochenende seien das etwas weniger gewesen. Die Messung wurde zwischen dem 19. und 25. Mai vorgenommen. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liege zwischen 6 und 22 Uhr bei 32 Stundenkilometern, nachts bei 33 Kilometern pro Stunde. "Da es keine Durchfahrt durch das Wohngebiet gibt, handelt es sich dabei fast ausschließlich um Wohnverkehr", erläuterte Frost.
 
Der Neuverkehr, der durch die Erschließung von "Strangen II" in der Hans-Kohler-Straße hinzukomme, wird mit 360 Fahrten pro Tag deklariert. "Davon verteilen sich etwa 260 auf die Besigheimer- und etwa 100 auf die Cannstatter Straße. Es fährt ja keiner Umwege nach Hause", begründet Uwe Frost. Das Lärmgutachten ergab, dass sowohl tags als auch nachts die maximalen Werte nicht überschritten werden.
 
Kritik an Mess-Zeitpunkt
 
Doch die nackten Zahlen sind für viele Anwohner nicht ausschlaggebend, was Bürgermeister Detlev Bührer nachvollziehen kann: "Die subjektive Sicht ist natürlich eine andere. Sie messen das Verkehrsaufkommen daran, welche Auswirkungen das für ihre spielenden Kinder hat." Das unterstrichen zahlreiche Wortmeldungen der anwesenden Anwohner. Eine Bewohnerin der Cannstatter Straße kritisierte den Zeitpunkt der Messung: "Die Verkehrszählung war zur Corona-Zeit. Die Zahlen sind zu Normalzeiten sicherlich deutlich höher."
 
Ein Argument, was sowohl bei Uwe Frost, als auch bei Bürgermeister Bührer zog. "Wir können mit den Messgeräten der Stadt zu einem späteren Zeitpunkt – vielleicht im Herbst – die Zählung wiederholen", sagte Bührer. Während vor allem die Anwohner der beiden geplanten Zufahrtsstraßen, der Cannstatter- und der Besigheimer Straße, um ihre "Lebens- und Wohnqualität" fürchten, sorgte sich manch einer sogar um weitere Vergrößerungen in diesem Bereich – etwa um "Strangen III und IV", wie es ein Anwohner nannte.
 
Doch hier argumentierte Bürgermeister Bührer auf Basis des Flächennutzungsplans dagegen: "Strangen II ist laut Flächennutzungsplan vorgesehen. Eine weitere bauliche Entwicklung ist in diesem Bereich nicht geplant." Das, so der Vorwurf zahlreicher Teilnehmer, habe es auch bei "Strangen II" geheißen. Der Vorwurf, dass die Erweiterung beim Verkauf der Grundstücke auf "Strangen I" tatsächlich nicht erwähnt worden seien, ließ sich an diesem Abend nicht aus der Welt schaffen. Möglicherweise sei dies beim Verkauf durch Privatpersonen tatsächlich verschwiegen worden. "Es war aber bekannt", betonte Gregor Braun, Planer von "Strangen I".
 
Detlev Bührer erklärte abschließend das weitere Verfahren: "Wir werden nun ein Gesamtpaket aus Gutachten, Ihrer Petition und Ihren heutigen Anregungen schnüren und den städtischen Gremien vorlegen." Das, so stellte der Bürgermeister jedoch klar, werde nicht wie angekündigt bis zur Juli-Sitzung erfolgen. "Es wird ganz sicher September, bis der Technische Ausschuss und der Gemeinderat darüber debattieren werden."
 
Auch wenn es noch ein langer Weg sei und die Entwürfe sicherlich noch angepasst würden, so könne er sich persönlich die separate Zufahrt über den Nordring vorstellen, betonte Bührer. Die Einschätzung des Bürgermeisters machte den Anliegern Hoffnung. Ob das auch der entscheidende Gemeinderat so sieht, werden die kommenden Monate zeigen.

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