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17.07.2020, 07:58 Uhr | Cornelia Spitz, Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen
VS-CDU hat einen Frontmann
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

Fünf Kandidaten, eine Position – die Nachfolge von Karl Rombach als CDU-Landtagskandidat im Wahlkreis Villingen-Schwenningen war heiß umkämpft. Raphael Rabe machte am Donnerstagabend in einem Wahlkrimi das Rennen.
Schon im Vorfeld wurde eifrig spekuliert: Wer würde in der Gunst der Christdemokraten am höchsten liegen? Als traditionell tiefschwarze Region ist der Wahlkreis Villingen-Schwenningen ein begehrtes Pflaster für potenzielle Landtagsabgeordnete der CDU. Zwar hatte die Grüne Martina Braun dem langjährigen CDU-Abgeordneten Karl Rombach zuletzt vor vier Jahren das Direktmandat mit einem sensationellen Wahlerfolg abgejagt, doch Rombach hat es dennoch ins Plenum geschafft und so eine letzte Amtsperiode in Stuttgart erlebt.
 
Nun durfte er sich zurücklehnen, während seine potenziellen Nachfolger in der Schwenninger Messehalle zum Schaulaufen eintrafen: die 52-jährige Unternehmerin Susanne Ciampa (Unterkirnach), die 54-jährige Hochschul-Professorin und Ärztin Annette Limberger (Bad Dürrheim), der 29-jährige Finanzdienstleister Raphael Rabe (Villingen-Schwenningen), der 27-jährige Polizeikommissar Moritz Nann (Bad Dürrheim) und der 45-jährige Triberger Hotelier Georg Wiengarn (Triberg).
 
Verlaufen die Nominierungsversammlungen anderer Parteien in der Region eher tröge, wurde diese mit Spannung erwartet. Es musste sogar die Messehalle D geblockt werden, um der erwarteteten Teilnehmer Herr zu werden.
 
Und so war es auch: Jeder der Fünf brachte ein möglichst starkes Lager mit. 244 Stimmberechtigte waren es am Ende. Sie alle durften den Kandidaten auf den Zahn fühlen, von welchen jeder zehn Minuten Redezeit hatte und sich weitere zehn Minuten lang den Fragen stellen musste. Per Losverfahren war die Reihenfolge rasch gefunden: Susanne Ciampa, Raphael Rabe, Annette Limberger, Georg Wiengarn und Moritz Nann.
 
Ciampa präsentierte sich als "lebenserfahrene Unternehmerin aus der Mitte der Gesellschaft", die die Gesellschaft vor mannigfache Herausforderungen gestellt sieht von der Globalisierung bis hin zu Digitalisierung und Fachkräftemangel. Als zieloientierte, anpackende "Schwarzwälderin", wolle sie sich dem stellen und eine starke Kandidatin "gegen Martina Braun" (Grüne) sein. Punktgenau lieferte sie eine zehn Minuten lange, vorbereitete Rede ab – nur teilweise zufriedenstellen konnte Ciampa jedoch jene, die Fragen stellten. Gottfried Schmidt, der Arbeitnehmer und Familien in ihrer Rede zu wenig berücksichtigt sah, bekam als Erklärung die auf zehn Minuten begrenzte Redezeit genannt, ein junges CDU-Mitglied das wissen wollte, wie Ciampa die Jugendlichen für die CDU gewinnen wolle, bekam zu hören, dass Ciampa darauf setzt, dass die Jugendlichen ihr helfen, andere Jugendliche für die Christdemokraten zu interessieren.
 
Rhetorisch geschliffen trat Raphael Rabe ans Mikrofon, der Politiker als Dienstleister für die Bürger versteht und möglichst nah bei den Menschen sein will. 5G- und Breitbandausbau standen im Zentrum seiner Rede, aber auch Kindergärten und Ärzte für die Dörfer, Fleisch vom regionalen Bauern. Versiert stellte er sich den Fragen der Zuhörer, deren Fragen er wortgewandt, aber auch mit inhaltlicher Tiefe beantwortete. "Holen wir uns das Direktmandat zurück", forderte Rabe auf.
 
Ausgeglichen, ruhig, bodenständig – diesen Eindruck vermittelte die Ärztin Annette Limberger und kam sofort auf den Punkt: "Warum ich hier stehe? Ich stehe hier, weil ic es mir zutraue!" Als Ärztin lag ihr das Gesundheitssystem und ihre "Vision der Gesundheitslandschaft Schwarzwald-Baar" besonders am Herzen, aber auch der Breitbandausbau.
 
Strukturiert gab sich Georg Wiengarn, der als Unternehmer dieser Branche ein besonderes Augenmerk auf Tourismus legte und lud die Bürger schon jetzt zur Coffee-Time in Stuttgart ein, da er ihre Anliegen allem anderen voran mit nach Stuttart nehmen wolle.
 
Auch der zweite "Junge" unter den Kandidaten zeigte sich als versierter Redner, dem man einen kurzen Lapsus, als er den Faden verloren hatte, daher wohlwollend verzieh: Moritz Nann. Der junge Polizist hielt eine schwungvolle Rede, plädierte für Generationengerechtigkeit und vor allem: ganz viel Mut.
 
Den zeigte er nebst Größe nach dem ersten Wahlgang selbst: Moritz Nann hatte von den 243 abgegebenen und gültigen Stimmen nur 27 (11,1%) erreicht und zog deshalb seine Kandidatur für den zweiten Wahlgang zurück, ebenso wie Georg Wiengarn (24 Stimmen, 9,9%). Ein Kopf-an-Kopf-Rennen gab es zwischen den Lagern aus VS und Unterkirnach: 73 Stimmen für Susanne Ciampa (30%) und Raphael Rabe (72 Stimmen, 29,6 Prozent), Annette Limberger holte 47 Stimmen (19,3%). Auch der zweite Wahlgang mit 238 gültigen Stimmzetteln brachte zwar ein Ergebnis – 103 Stimmen (43,3%) für Susanne Ciampa, 82 (34,5%) für Raphael Rabe und 53 (22,3%) für Annette Limberger. Die logische Folge, da keiner die absolute Mehrheit von 120 Stimmen erreicht hat: ein dritter Wahlgang mit Stichwahl zwischen Susanne Ciampa und Raphael Rabe. Der Wahlkrimi sollte kurz nach 22 Uhr enden. Endlich konnte der Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei ein äußerst überraschendes Ergebnis präsentieren: die Wende. Raphael Rabe hatte sich bei 227 gültigen Stimmen mit 114 Stimmen gegen Susanne Ciampa (113 Stimmen) durchgesetzt.

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